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IL SINDACO DEL RIONE SANITÀ

DER BÜRGERMEISTER

Regie: Mario Martone
Drehbuch: Mario Martone, Ippolita Di Majo nach dem gleichnamigen Stück von Eduardo De Filippo
Kamera: Ferran Paredes Rubio
Schnitt: Jacobo Quadri
Ausstattung: Carmine Guarino
Musik: Ralph P
Produktion: Nicola Giuliano, Francesca Cima, Carlotta Calori für Indigo Film
Darsteller: Francesco Di Leva (Antonio Barracano), Massimiliano Gallo (Arturo Santaniello), Roberto De Francesco (Fabio Della Ragione), Adriano Pantaleo, Daniela Ioia

Italien 2019
115 Minuten, OmU
Untertitelung finanziert durch Ministero degli Affari Esteri e della Cooperazione Internazionale (Rom)

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Antonio Barracano ist die einflussreichste Person in Neapels Stadtviertel Rione Sanità und lässt sich gerne „sindaco“, also Bürgermeister nennen, auch wenn er nie gewählt wurde. Mit seiner Familie lebt er in einer prächtigen Villa. Wer ein Problem hat, meldet sich bei Barracano, und der lässt auf seine eigene Weise Gerechtigkeit walten, ob es um Schießereien im Viertel geht oder um die Machenschaften eines Kredithais. Seine engen Verbindungen zur Camorra sind dabei sehr nützlich. Doch eines Tages steht ein junger Mann vor ihm, der seinen Vater umbringen will. Bei diesem Fall gerät Don Antonio an seine Grenzen…

Eine mitreißende Verfilmung des berühmten Theaterstücks von Eduardo de Flippo aus den 60er Jahren, das Regisseur Mario Martone geschickt für die Gegenwart adaptiert hat. Spannung und Humor halten sich die Waage, und der charismatische Francesco di Leva ist die Idealbesetzung für die Titelrolle.

Il sindaco del Rione Sanità ist mein erstes Stück von Eduardo De Filippo. Ich habe das Alter des Protagonisten radikal verändert, bei De Filippo war es ein Mann aus einer anderen Epoche. So stelle ich das Stück auf die Probe mit der Gegenwart (heute sind die Camorra-Bosse viel jünger). Erwarten Sie nicht die Illusionen des alten „Bürgermeisters“, der aus einem anderen Jahrhundert stammte, als es noch klare moralische Grenzen gab: hier dagegen kommt eine wilde, ambivalente und leidende Menschheit zum Vorschein, wo das Gute und das Böse sich in jeder Figur treffen, wo die zwei Städte, von denen in Neapel immer die Rede ist (die legale und die kriminelle) in einer Partie ohne Sieger aufeinander stoßen.
Mario Martone

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In der Interpretation von Mario Martone wird Eduardo De Filippos Theaterstück von 1960 zu einem Schlüssel, um die Gegenwart zu verstehen. Vorausgesetzt, man interpretiert den Text und erfindet ihn neu und macht ihn so wieder aktuell, sowie es in diesem Film geschieht. Umringt von seinem Hofstaat, gequält von Schlaflosigkeit und Zahnschmerzen, stellt Antonio Barracano, „der Bürgermeister“, die Grenzen zwischen Recht und Unrecht wieder her, indem er seine ganz persönliche Vorstellung von Gerechtigkeit umsetzt, und sich so auch der heikelsten Fälle annimmt. Wie zum Beispiel dem des reichen Bäckers Santaniello und dessen Sohn Rafiluccio. Soll die Fehde ewig weitergehen und so eine Reihe weiterer Tote auslösen oder sollte man besser die Spirale der Rache unterbrechen? Das ist die zentrale Frage des Stücks von De Filippo.
Fabio Ferzetti, L’espresso

Hier handelt es sich nicht um verfilmtes Theater, sondern Worte werden zu Bildern, dank ausgezeichneter Schauspieler, wie Francesco Di Leva in der Rolle des „Bürgermeisters“ bis hin zu Massimiliano Gallo als sein Gegenspieler, dem Bäcker Arturo Santaniello. Ganz ohne Schießereien oder vordergründige Action geht der Film in die Tiefe des Textes von De Filippo. Kann dieser Don Antonio ein Heiliger oder ein Held sein? Vielleicht. Doch wie kann er „Bürgermeister“ sein, also jemand, der von den Bürgern hätte gewählt sein müssen, um sie zu regieren? Das ist gerade das Paradox, das der Film präzise beleuchtet: es gibt eine Leere, ein Fehlen, eine Distanz der offiziellen staatlichen Institutionen zur Gesellschaft und den Menschen, die sie eigentlich vertreten sollten.
Cristina Piccino, Il Manifesto


Mario Martone (*1959 in Neapel) beginnt seine Karriere in den 70er Jahren im Theater. 1992 erscheint sein Debutfilm Morte di un matematico napoletano, es folgen L’amore molesto (1995), Teatro di guerra (1998), L’odore del sangue (2004), Noi credevamo (2010). Seit 1999 ist er zudem künstlerischer Direktor an Theatern in Turin, Rom und Neapel. Seine neuesten Filme sind Il giovane favoloso (2014), Capri Revolution (2018) und Il sindaco del Rione Sanità(2019).

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