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PALAZZO DI GIUSTIZIA

JUSTIZPALAST

Buch und Regie: Chiara Bellosi
Kamera: Maurizio Calvesi
Schnitt: Stefano Cravero
Ausstattung: Giuliano Pannuti
Musik: Giuseppe Tranquillino Minerva
Produktion: Carlo Cresto-Dina, Michela Pini für Tempesta, Cinédokké
Darsteller: Bianca Leonardi (Luce), Sarah Short (Domenica), Daphne Scoccia (Angelina), Nicola Rignanese (Viale), Giovanni Anzaldo, Andrea Lattanzi

Italien 2019
84 Minuten, OmU
Untertitelung finanziert durch Ministero degli Affari Esteri e della Cooperazione Internazionale (Rom)

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Die alltägliche Justiz in einem großen italienischen Gericht. Im Herzen des Gebäudes eine Gerichtsverhandlung. Vor der geschlossenen Saaltür warten zwei Mädchen: Luce, noch klein, verspielt und eigensinnig. Domenica, fast erwachsen, unsicher und abweisend. Während ihre Väter sich drinnen in einem komplizierten Prozess um Mord oder Totschlag gegenüberstehen, wissen die Töchter draußen nicht, was tun. Nebenschauplätze wie Flure, Treppenhäuser und Pfützen im Hof werden zu Orten mit Möglichkeiten. Anwälte und Justizbeamte, Handwerker und Besucher kommen und gehen. Ein verirrter Spatz sorgt für Aufregung. Eine Vielzahl von Geschichten entfaltet sich.
Ganz auf diesen einen Ort konzentriert, rückt die Regisseurin vermeintliche Randfiguren ins Zentrum, eröffnet ungewöhnliche Perspektiven auf Justizbetrieb und Gerechtigkeit. Chiara Bellosis Debutfilm, auf der diesjährigen Berlinale uraufgeführt, ist eine spannende neue Stimme im italienischen Kino.

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Ursprünglich dachte ich an seinen Dokumentarfilm nach dem Vorbild von Frederick Wiseman. Zur Vorbereitung ging ich wochenlang ins Gericht meiner Heimatstadt Mailand. Dann kam mir die Idee, aus dem Ort heraus eine oder mehrere Geschichten zu entwickeln. Das Gerichtsgebäude von Mailand ist riesig, und ich verbrachte meine Tage in den Fluren, Sälen, Innenhöfen, Cafeterias usw. Eines Tages war da ein Mädchen mit ihrer jungen Mutter, die versuchte sich die Langeweile der Wartezeit zu vertreiben. Dieses Mädchen war die Inspiration für meinen Film. Indem ich sie beobachtete, ist Palazzo di Giustizia entstanden.
Chiara Bellosi

Chiara Bellosi lässt sich in ihrem ersten Spielfilm von einem Prozess anregen, wie sie in den Lokalzeitungen die Gemüter erregen, mit einem braven Familienvater, der einen Räuber erschossen hat, doch die Regisseurin interessiert sich nicht so sehr für den Justizprozess, als für die unendlichen Stunden der Wartezeit der beiden Töchter der Beteiligten vor dem Gerichtssaal. Zwei Minderjährige, die an allem unschuldig sind, deren Schicksal dennoch von den Taten der Väter geprägt wird. In dieser Abweichung des Blicks und der Aufmerksamkeit liegt die Originalität des Films Palazzo di Giustizia, der hinter der Fassade eines „Courtroom Drama“ von zwei Mädchen erzählt, die sich auf jugendliche Art widersetzen. Die sich bedrängt fühlen auch von den strengen und geometrischen Räumen eines Gerichts, das den Anspruch hat, Chaotisches und Ursprüngliches quadratisch und rational zu machen.
Paola Casella, www.mymovies.it

Palazzo di Giustizia, der von der Regisseurin auch selbst geschrieben wurde, beschäftigt sich zwar mit der Dynamik im Gerichtssaal, interessiert sich jedoch viel mehr für die menschliche Dynamik auf den Fluren, greifbar und fühlbar gemacht von den Hauptdarstellerinnen mit einer natürlichen und instinktiven Darstellung der sehr starken Daphne Scocci und einer zarten und zerbrechlichen Sarah Short.
Camillo De Marco, www.cineuropa.org


Chiara Bellosi (* 1973 Mailand). Ihr Dramaturgiestudium an der dortigen „Civica Scuola di Teatro Paolo Grassi“ schloss sie mit Diplom ab und studierte 2007 Dokumentarfilm am „Istituto Europeo di Design“ in Venedig. Im Rahmen des Episodenfilms Checosamanca realisierte sie einen Kurzfilm. Mit Palazzo di Giustizia legt sie ihren ersten Spielfilm vor.

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PALAZZO DI GIUSTIZIA - JUSTIZPALAST