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LA GUERRA DI MARIO - Ich bin Mario

Neapel. Um Mario vor Mißbrauch und Mißhandlungen zu schützen, wird der Neunjährige auf Veranlassung des Gerichts seiner Familie entzogen. Vorübergehend kommt er als Pflegekind in die Obhut von Giulia und Sandro, einem unverheirateten Paar; die beiden gutsituierten 40-Jährigen versuchen schon seit geraumer Zeit, ein Kind zu adoptieren. Giulia fühlt sich wohl in ihrer Rolle als Mutter, Sandro hingegen ist unsicher. Mario findet sich unvermittelt in einer für ihn fremden Welt wieder, in der seine neuen Eltern ihn verwöhnen. Doch er fühlt sich in diesem goldenen Käfig allein und unverstanden.

Regie: Antonio Capuano
Drehbuch: Antonio Capuano
Kamera: Luca Bigazzi
Produktion: Domenico Procaccia, Francesca Cima, Nicola Giuliano für Fandango und Indigo Film
Darsteller: Valeria Golino (Giulia), Marco Grieco (Mario), Andrea Renzi (Sandro), Anita Caprioli, Rosaria De Cicco, Antonio Pennarella

Italien 2006
100 Minuten, OmdtU

Der Film basiert auf den Erfahrungen mit einer Adoption, von denen eine Freundin mir berichtet hat. Im Titel ist von "Krieg" die Rede, weil die Hauptfigur Mario, ein neunjähriger Junge, sich seit seiner Geburt im Krieg befindet: Er wird per Gerichtsbeschluß aus einer schwierigen Familie genommen und dann zwischen Ersatzfamilien hin- und hergeschoben, auf der ständigen Suche nach seiner Identität. Es ist ein zu Herzen gehender Film, in dem die vielschichtige Beziehung zwischen zwei Kulturen erzählt wird, zwischen Marios Welt und der der bürgerlichen Giulia, die in einem "anderen", dem wohlhabenden Neapel lebt. Es ist die Geschichte eines schwierigen und mißtrauischen Kindes und einer liebenden (Pflege-)Mutter, die möchte, daß ihre Liebe erwidert wird, und deshalb einen Fehler nach dem anderen begeht, sowie die Geschichte einer Stadt, die in eine elitäre und eine heruntergekommene Hälfte gespalten ist.
Antonio Capuano

Das Besondere von LA GUERRA DI MARIO ist, daß nicht einfach eine klar in Gut und Böse geteilte Realität vorgestellt wird. In einer Gesellschaft, die auf einem unüberwindbaren Bruch zwischen der angepaßten Welt der Regeln und der unverfrorenen Wirklichkeit der Welt "ganz unten" begründet ist, erfüllt jeder voll und ganz die Rolle, die das Schicksal ihm auferlegt hat. Doch ist zweifelhaft, ob das Gesetz und die, die es repräsentieren (eine Psychologin, der Vormund des Gerichts), tatsächlich in der Lage sind, ein Schicksal wie das von Mario richtig einzuschätzen. Antonio Capuano hat sich in seinen sechs Filmen nie von der Stadt Neapel entfernt, die auch hier nicht zufällig den Rahmen der Handlung bildet. Aber der wahre Schauplatz von "Marios Krieg" ist in erster Linie Valeria Golinos Minenspiel, dessen Aussagekraft über die der Worte hinausgeht
Tullio Kezich, Corriere della Sera