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IL PAPÀ DI GIOVANNA

GIOVANNAS VATER

Der Kunstlehrer Michele Casali führt im Bologna der 30er Jahre ein unauffälliges Leben mit seiner Frau und seiner 18jährigen schüchternen Tochter Giovanna, die er über alles liebt. Dann ereignet sich eine schockierende Tat - in der Turnhalle der Schule wird Giovannas beste Freundin ermordet aufgefunden. Im Zuge der Polizeiermittlungen stellt sich bald heraus: Täterin ist niemand anders als Giovanna, die ihre Freundin in einem Akt plötzlicher Eifersucht umgebracht hat. In der bürgerlichen Gesellschaft, zu der die Casalis gehören, löst der Mord einen ungeheuren Skandal aus. Der jungen Frau bleibt dennoch das Gefängnis erspart, aber sie wird als psychisch gestört in eine Nervenheilanstalt verbracht. Der einzige Mensch, der sich weiter um sie kümmert, ist ihr Vater.
Die Geschichte eines Mannes, dem seine scheinbar gesicherte Existenz von einem Tag auf den anderen wegbricht, erzählt vor dem Hintergrund des italienischen Faschismus. Silvio Orlandos grandiose schauspielerische Leistung in der Titelrolle wurde beim Festival von Venedig mit dem Darstellerpreis ausgezeichnet.

Regie: Pupi Avati
Drehbuch: Pupi Avati
Kamera: Pasquale Rachini
Schnitt: Amedeo Salfa
Ausstattung: Giuliano Pannuti
Musik: Riz Ortolani
Produktion: Antonio Avati für Duea Film, Medusa
Darsteller: Silvio Orlando (Michele Casali), Francesca Neri (Delia), Alba Rochrwacher (Giovanna), Ezio Greggio (Sergio Ghia), Serena Grandi (Lella Ghia), Paolo Graziosi (Andrea Traxler), Sandro Dori (Belletti), Edoardo Romano (Pradelli), Chiara Santi (Amabile)

Italien 2008
104 Minuten

Mit Il papà di Giovanna wollte ich sicherlich eine ganz besondere Vaterfigur porträtieren. Die Geschichte spielt in Bologna aber in einem Zeitraum, der von 1930ern bis in die 1950er Jahre geht, in einem Italien, das ich sehr gut kenne, denn es handelt sich um das Land meiner Kindheit und Jugend, in dem die Menschen tagtäglich mit den kleinen, aber aufreibenden Dingen des Lebens konfrontiert waren, mit wenig Geld bis ans Ende des Monats auskommen mussten, unter ungeheurem Druck standen, immer „anständig“ zu bleiben. Also in dem Film wird auch ein Stück Geschichte unseres Landes erzählt.
Pupi Avati

Für seine bemerkenswerte Darstellung in Il papà di Giovanna wurde Silvio Orlando auf den Filmfestspielen in Venedig 2008 ausgezeichnet. Er spielt einen Vater, der seine halbwüchsige, psychisch instabile Tochter (Alba Rohrwacher) obsessiv liebt und exzessiv schützt. Es ist ein faszinierendes Vaterporträt: In dem neurotischen Mann, der als erfolgloser Künstler beruflich frustriert ist, verdichtet sich die kleinliche Welt des italienischen Bürgertums zur Zeit des Faschismus. Der Vater hat Angst, dass die Tochter mit ihrem „Anderssein“ die anständige Fassade ihrer Familie schaden könnte, aber zugleich fühlt er sich mit ihr untrennbar verbunden. Er verlässt sie nie, auch in den tragischsten Momenten: ein beindrückendes Beispiel krankhafter und leidenschaftlicher Vaterliebe.
Lietta Tornabuoni, La Stampa

Ein obsessiver Vater, eine Tochter mit vielen Komplexen, eine indifferente Mutter. Und über allem der Schleier von Angst und Konformismus, der unser Bürgertum in den Jahren des Faschismus prägte. Il papà di Giovanna, den Pupi Avati nach vierzig Jahren bemerkenswerter Filmkarriere realisiert hat, ist wegen der Komplexität der Erzählstruktur, der Produktionsbedingungen und des Schauspielerensembles ein sehr ambitionierter Film. Die Geschichte kreist um das Thema individueller Gehässigkeiten und Verbitterungen, die dann schließlich in eine Tragödie münden. Und wenn der historische Rahmen nicht die Zeit der 1930er und 1940er Jahre wäre, könnte die Geschichte Giovannas in unserer Gegenwart entstanden sein: eine wenig attraktive, schüchterne junge Frau, die von dem Wunsch aufzufallen getrieben ist, ein ehrlicher Vater, der dennoch zu allem bereit ist, um der Tochter zu helfen und eine Mutter, die als schöne Hausfrau in ihrer Frustration eingeschlossen bleibt.
Fabio Ferzetti, Il Messaggero

Pupi Avati, geboren 1938 in Bologna, versuchte sich erst als Musiker und gründete seine eigene Jazz Band. Nachdem er auch als Gewerkschaftler gearbeitet hatte, debütierte er 1968 als Filmregisseur. Seine Filmographie umfasst über 30 Titel.

Spielfilme seit 1990: Fratelli e sorelle (1992), L’amico d’infanzia (1993), Magnificat (1993), Dichiarazioni d’amore (1994), Festival (1995), L’arcano incantatore (1996), Il testimone dello sposo (1998), La via degli angeli (1999), I cavalieri che fecero l’impresa (2001), Il cuore altrove (2003), La rivincita di Natale (2004), Ma quando arrivano le ragazze? (2005), La seconda notte di notte (2006), La cena per farli conoscere (2007), Il nascondiglio (2007), Il papà di Giovanna (2008), Gli amici del bar Margherita (2009)