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L’AMICO DI FAMIGLIA

Unser Freund

Geremia de’ geremei ist um die 70 Jahre alt; er "arbeitet" als Wucherer, ist zynisch, häßlich, lebt im Dreck, ist zwar reich, aber geizig und steht in einer obsessiven und krankhaften Beziehung zu allem, was ihn umgibt: Mutter, Vater, Geld, Frauen − kurz gesagt: zum Leben an sich. Deshalb glaubt er, ein Unikat zu sein. Aber er ist es nicht. Viele sind wie Geremia.

Regie: Paolo Sorrentino
Drehbuch: Paolo Sorrentino
Kamera: Luca Bigazzi
Schnitt: Giogiò Franchini
Ausstattung: Lino Fiorito
Musik: Teho Teardo
Produktion: Nicola Giuliano, Domenico Procacci für Indigo Film, Fandango
Darsteller: Giacomo Rizzo (Geremia), Fabrizio Bentivoglio (Gino), Laura Chiatti (Rosalba), Gigi Angelillo, Clara Bindi, Barbara Valmorin, Roberta Fiorentini, Marco Giallini, Alina Ndelea

Italien 2006
110 Minuten, OmdtU

Trailer auf mymovies.it anschauen

Von L’UOMO IN PIÙ über LE CONSEGUENZE DELL'AMORE bis hin zu L’AMICO DI FAMIGLIA: Mich interessiert vor allem, den Geschichten von ungewöhnlichen Gestalten auf den Grund zu gehen, die ein bißchen asozial sind bzw. an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Dennoch ist L’AMICO DI FAMIGLIA ganz anders als LE CONSEGUENZE DELL'AMORE. In mancher Hinsicht ist der Film sogar das genaue Gegenteil. Während LE CONSEGUENZE DELL'AMORE sehr verhalten war, neigt L’AMICO DI FAMIGLIA eher zu übertreibungen. Der Film ist in gewisser Weise "barock". Ich wollte auf eine hübsch anzuschauende Art und Weise die Trostlosigkeit in Szene setzen, weil ich finde, daß sie manchmal schön sein kann. Dabei habe ich mich auf respektlose Weise bei Federico Fellini "bedient", der in einem Film wie ROMA nichts anderes tut, als eine Reihe von "Monstern" Revue passieren zu lassen und ihnen dabei Faszination und Charme verleiht.
Paolo Sorrentino

L’AMICO DI FAMIGLIA ist ein bemerkenswerter Film. Der Neapolitaner Paolo Sorrentino ist ein wahres Talent, einer der besten jungen italienischen Regisseure. L’AMICO DI FAMIGLIA ist düster und geheimnisvoll, und das bestätigt Sorrentinos "richtigen Riecher" für Figuren, die normalerweise dem filmischen Blick entgehen und vielleicht auch lieber unbekannt bleiben würden. Wie man sieht, liebt der Regisseur keine geradlinigen Geschichten. L’AMICO DI FAMIGLIA entwickelt sich bruchstückhaft. Der Film steckt voller überraschungen und deckt "Löcher" unserer Realität auf, aus denen es zum Himmel stinkt und die wir vielleicht gar nicht so genau untersuchen möchten. Geremia führt uns den ganzen Horror vor, der sich hinter der Alltagsroutine einer Provinzstadt verbergen kann.
Alberto Crespi, l’Unità

Was die große Stärke von L’AMICO DI FAMIGLIA ist und ihn so interessant macht, ist zum einen der Umstand, daß man ihn nicht beschreiben kann, zum anderen sind es seine wagemutige Fremdheit und sein hart erkämpftes Oszillieren zwischen dem Extremen, Traumartigen und dem Prosaischen, dem Minimalistischen. Eine Stadt, die dem Maler Giorgio De Chirico gefallen hätte, bildet die Kulisse für Geremias Abstieg in die Hölle. Geremia ist ein alter, häßlicher und schmutziger Wucherer, der seine Geldschlinge fest um den Hals seiner Opfer legt, die durch ihre Not noch elender als er selbst sind. Wir sehen uns einem Szenario gegenüber, das mit vollen Händen aus der Alltagschronik und der Soziologie von heute schöpft, sich dann aber als ein "Wald" voller Symbole à la Luis Buñuel und Federico Fellini entpuppt. Paolo Sorrentino beweist damit, daß er über großes filmisches Talent verfügt und die Filmsprache auf einem Niveau beherrscht, das sich über jeden mittelmäßigen Standard erhebt.
Valerio Caprara, Il Mattino

Paolo Sorrentino wurde 1975 in Neapel geboren. Nach einer Tätigkeit als Drehbuchautor für Film und Fernsehen gewann er 1997 den renommierten Premio Solinas für das Drehbuch zu dem Film dragoncelli di fuoco. 1998 debütierte er als Regisseur mit dem Kurzfilm l’amore non ha confini.

Spielfilme l’uomo in piú (2001), le conseguenze dell’amore (2004), l’amico di famiglia (2006)